Hauptmenü

AB Vergleichstest Vier kleine Cabrios 16052003

Auto Bild


Vergleichstest

Vier kleine Cabrios im Vergleich 16.05. 2003

 

Zwergen-Aufstand

Die Auswahl an Cabriolets für weniger als 20.000 Euro wächst stetig: Ob deutscher Hingucker, japanischer Kult-Roadster, kölsche Knutschkugel oder frankophile Sänfte – für jeden ist etwas dabei.


Noch erschwinglich, trotzdem originell

Früher war alles anders. Aber nicht unbedingt besser. Zum Beispiel die Roadster. Sie kamen in der Regel aus England, waren häufig dunkelgrün, höchstens mäßig verarbeitet und fast immer schlecht zu fahren. Zum Beispiel der Austin Healey 3000, den man wegen seines abenteuerlichen Fahrverhaltens in Fachkreisen schlicht als "Schwein" titulierte. Oder der Triumph TR6, der zwar heute noch rattenscharf aussieht, Sound satt besitzt, der zu seiner Bedienung aber ganze Kerle benötigte.
Heute haben es auch die Europäer begriffen: Der Weg in die Herzen der Kunden führt nicht über seelenlose Erdbeerkörbchen, sondern über knuffige Nischenmodelle, die mit weniger Kompromissen und mehr Emotionen behaftet sind. Über Autos also, die noch erschwinglich, aber trotzdem originell sind.
Wie heute noch über den MX-5. Oder den Peugeot 206+ CC, mit dem die Franzosen den Luxus des faltbaren Blechdachs in die Kompaktklasse brachten. Oder die beiden Rookies dieses Frühjahrs: Ford Streetka und Smart Roadster heißen sie und verdrehen speziell jüngeren Menschen die Köpfe, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. 

 

Weniger Kompromisse, mehr Emotionen

Der eine knuddelig und drall, ein in Blech gepresster Teddybär, der spontan Beschützerinstinkte weckt und so süß aussieht, dass man ihn nachts nur ungern allein auf der Straße parken lassen möchte; der andere kantig und spartanisch, eine Mischung aus Sportprototyp und Kart, ganz klar der kleinste anzunehmende Fall eines Roadsters.
Über die Unterschiede in der Optik der Kandidaten lässt sich natürlich streiten. Fest steht aber, dass die klassischen Linien des MX-5 und die futuristische Formgebung des Smart am besten zu einem Roadster passen, während der 206 und der Streetka schon ein komfortableres und eher feminines Flair vermitteln.
Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Innenraum: Im Peugeot wie im Ford geht es weniger rustikal, eher rundlich zu. Bekannte Formen dominieren, die Sitzposition ist nicht anders als in geschlossenen Versionen, die Großserie lässt grüßen. Speziell im Streetka weckt das in speckigem Schwarz geprägte Armaturenbrett wenig Zuneigung, das in Billigst-Manier gestaltete Handschuhfach hätten wir so in einem Trabi-Roadster erwartet. 

 

Praktiker-Dach oder Puristen-Roadster ?

Nicht so extrem, dafür solider verarbeitet und im Rahmen der Sonderserie "Memories" sogar mit einem hölzernen Nardi-Lenkrad bestückt, präsentiert sich der MX-5. Sein Reiz liegt in der Reduktion auf das Wesentliche: Stilistischer oder gar technischer Schnickschnack fand hier schlicht keinen Platz. Auch auf dem Motorensektor sind unterhalb der 20.000-Euro-Schwelle keine Extravaganzen zu erwarten: Mit bescheidenen 110 PS avanciert der MX-5 in diesem Wettbewerb schon zum Kraftprotz und lässt den Peugeot damit ganz knapp um ein PS, den Streetka schon um satte 15 und den Smart sogar um 28 Pferde hinter sich.
Als einigermaßen exotisch mag man allenfalls den Sachverhalt einstufen, dass im Heck des Smart ein aufgeladener Dreizylinder mit schnuckeligen 698 Kubikzentimetern zu Werke geht. Gravierende Unterschiede treten auch bei der Dachgestaltung auf: Während der Peugeot mit seinem blechernen Klappdach Puristen ein müdes Grinsen abnötigt, praktisch denkende Menschen dagegen auf Anhieb überzeugt, folgt der Mazda bedingungslos der Roadster-Philosophie, Persenning und eingerissene Fingernägel inklusive.
Irgendwo zwischen diesen Extremen reiht sich der Streetka mit seiner unter einem festen Deckel verschwindenden Stoffmütze ein. Rein dachtechnisch betrachtet, darf der Smart am wenigsten als Roadster, sondern eher als Targa gelten: Der feste Bügel hinter den Köpfen der Insassen zählt zum Sicherheitskonzept – und zur maximalen Erweiterung des Luftraums müssen nach guter alter Smart-Art neben dem Stoffdach auch die beiden Dachholme von Hand demontiert und unter der Fronthaube verstaut werden.

 

Schnellste Runde, aber wenig Elastizität

Doch ob Roadster oder Targa, Puristen oder Praktiker – was für uns am meisten zählt, ist der Fahrspaß mit diesen Autos. Mit anderen Worten: Ortstermin auf der Rennstrecke in Oschersleben. Als Erster geht der MX-5 auf die Piste des Motoparks. Und die Begeisterung über das immer noch am besten, schnellsten und schönsten zu schaltende Getriebe von allen weicht schon kurz nach dem Verlassen der Boxenstraße einer herben Enttäuschung.
Denn der nominell stärkste Motor im Vergleich entpuppt sich in der Praxis als zäher Geselle. Mangelnde Elastizität ließe sich bei einem Sportgerät ja noch verschmerzen, doch auf eine gewisse Drehfreude sollte man dann schon zählen können. Tatsächlich erweist sich der rau laufende 1600er in beiden Disziplinen als absolute Luftnummer. Motto: Untenrum passiert wenig – und oben raus kommt auch nicht viel. Deutlich mehr Spaß bereitet das Fahrwerk des Hecktrieblers: Abgesehen von den ausgeprägten Wankbewegungen der Karosserie, besticht der MX-5 durch seine direkte Lenkung und eine hervorragende Balance.
Bei hohen Kurvengeschwindigkeiten bleibt er lange neutral, um schließlich dezent zu untersteuern und nur bei Lastwechseln in ein gut kontrollierbares Übersteuern zu verfallen. Auch die Bremsen hinterlassen einen ordentlichen Eindruck: Der gut definierte Druckpunkt sorgt für ebenso gefühlvolle wie effiziente Dosierung, auch nach zehn flotten Runden sind keine nennenswerten Ermüdungserscheinungen zu verzeichnen. Stattdessen verbuchen wir den ersten Richtwert: 2.04,94 Minuten braucht der MX-5 für die schnellste Runde.

 

Antiker Zweiventiler, aber mit Sportsgeist

Nächster Aspirant: Der Peugeot, der schon auf den ersten Metern dokumentiert, dass er dem Mazda in Sachen Sportlichkeit keine Konkurrenz macht. Das offenbar nach dem Laisser-faire-Prinzip konstruierte Getriebe mit seiner unpräzisen Führung und den langen Schaltwegen bildet den exakten Gegenpol zur Mazda-Schaltbox, die gefühlsarme Lenkung, die um die Mittellage zu viel Spiel hat, und das watteweiche Fahrwerk tragen ebenso wenig zum Fahrspaß bei wie sein tückisches Verhalten im Grenzbereich. Der Fronttriebler untersteuert zunächst heftig, um bei Lastwechseln in ein deftiges Übersteuern zu wechseln.
Dass die optisch attraktiven und gut konturierten Sitze im Ernstfall zu wenig Seitenhalt bieten und die giftig ansprechenden, schwer dosierbaren Bremsen bei forcierter Fahrweise schnell verhärten, ist einer flotten Rundenzeit auch nicht gerade dienlich. Das Resultat: Die Uhr stoppt nach vergleichsweise langwierigen 2.07,62 Sekunden, trotz annähernd gleicher Leistung verliert der 206 CC fast drei Sekunden auf den offenen Mazda.
Was die Vorfreude auf den Streetka nicht gerade ins Uferlose steigert: Wie soll sich da erst der kölsche Knuddel mit seinen spärlichen 95 Pferdchen schlagen? Doch die erste positive Überraschung liefert ausgerechnet der etwas antike Zweiventiler unter der Haube: Begleitet von kernigem Sound, dreht das Triebwerk freudig hoch, das zwar nicht sonderlich präzise geführte, aber sportlich kurz übersetzte Getriebe sorgt für zusätzliches Temperament.
 Auch das Fahrverhalten beeindruckt positiv: Fast neutral lässt sich der Streetka mit seiner direkten Lenkung um die Ecken zirkeln, leichtes Übersteuern bei Lastwechseln ist nicht nur erträglich, sondern erwünscht. Lediglich beim Bremsen erinnert der Ford gelegentlich an den Peugeot: Auch hier kann es beim extremen Ein- und Ausfedern zu Pedal-Verhärtungen kommen. Die Rundenzeit ist trotzdem aller Ehren wert: Mit 2.05,38 Minuten zieht sich der Streetka gut aus der Affäre.

 

Perfekt wäre ein Smart mit MX-5-Getriebe

Wir lernen also: Lifestyle muss nicht langsam sein – und nehmen ebenso gespannt wie ein wenig mühsam im Smart Platz: So tief hockt man schließlich nicht alle Tage. Ernüchternd auch die ersten Meter: Rachitisch blubbert der Dreizylinder im Heck, und die alberne Tipp-Kick-Schaltung passt nun wirklich überhaupt nicht in einen Roadster. Doch da müssen wir nun durch. Und siehe da: Das kleine Turboladerchen setzt die drei Brennräume mit dem Gesamtvolumen einer Weinflasche ganz schön unter Druck, sorgt bei höherer Drehzahl für einen ganz netten Sound und beim Lupfen sogar noch für ein possierliches Zwitschern beim Ablassen des überflüssigen Drucks. Und ohne Lupfen geht es nicht, denn die 82 PS haben mit den 815 Kilo wahrhaft leichtes Spiel.
Speziell im unteren Geschwindigkeitsbereich geht es ordentlich zur Sache, und in Sachen Fahrverhalten muss sich der Kleine auch nicht schämen – im Gegenteil: Die Lenkung vermittelt hervorragenden Fahrbahnkontakt, das Einlenkverhalten ist ebenso tadellos wie die weitgehende Neutralität im Grenzbereich. Mit anderen Worten: Wer Karts liebt, wird auch den Smart roadster mögen.
Zumindest prinzipiell, denn auch dieser Kandidat hat eine Schattenseite – und was für eine: Das so genannte "automatisierte Schaltgetriebe" mag für ambitionslose Stadtverkehrsteilnehmer durchaus geeignet sein, einer sportlichen Fahrweise ist es ähnlich dienlich wie ein Fallschirm beim Turmspringen. Lange Schaltpausen, die extrem kurze Abstufung und die oft nicht nachvollziehbare Ignoranz gegenüber Schaltbefehlen treiben den sportlich veranlagten Lenker schier zur Verzweiflung.
Nur wegen der Schaltpausen muss sich der Smart mit einer Rundenzeit von 2.05,83 Minuten dem Mazda um eine knappe Sekunde beugen – mit einem richtigen Getriebe hätte sich der Schwächste in diesem Vergleich als der Schnellste erwiesen. Somit gibt es also keinen klaren Sieger, sondern erst mal nur einen theoretisch besten Kompromiss: den Smart mit dem Getriebe des MX-5. Den Umbau müssen Sie jedoch selbst vornehmen – oder das Fazit lesen, um festzustellen, welcher der Kandidaten Ihrem Charakter am nächsten kommt.

 

Fazit und Technische Daten


Ford Streetka, der Knuffige 

Wenn Dustin Hoffman heute noch mal zur Reifeprüfung müsste, er nähme garantiert den Streetka: Chic genug, um Elaine einzuwickeln; flott genug, um vor Mrs. Robinson zu flüchten – und ähnlich rundlich wie der selige Alfa Duetto. Kurz: ein Hingucker mit überraschenden Qualitäten.

Mazda MX-5, der Klassische 

Schwarz steht ihm gut, Dunkelgrün oder -blau lassen wir auch noch durchgehen. Bonbonfarben wirken eher albern bei diesem Auto, das inzwischen so distinguiert und wertneutral wirkt wie Sean Connery: immer noch gut anzusehen, solide gebaut und mit inneren Werten versehen. Kleines Manko: Mit den Jahren ging die Drehfreude ein wenig verloren.

Peugeot 206 CC, der Sanfte 

Nein, Weichei wollen wir nicht dazu sagen. Aber Leonardo di Caprio würde schon ganz gut hineinpassen. Während andere Männer noch am Verdeck rumfummeln, drückt er lässig mit einem Finger auf den Knopf – und hat die anderen frei für die Dame. Und so wahnsinnig schnell war die Titanic ja auch nicht ...

Smart Roadster, der Kernige 

Steve McQueen hätte mit Sicherheit seine helle Freude an ihm gehabt. Für Le Mans vielleicht etwas zu langsam, auf den Straßen von San Francisco aber genau richtig: Die Luftsprünge auf den Kuppen hätte Bullitt perfekt für die Schaltpausen nutzen können. Fraglich nur, wie viele davon der Smart überstanden hätte, ohne auseinander zu fallen.

 

 

Nach oben